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zuletzt geändert: 21/12/11

Guestbook
zu den Reisetextern

 

 

Vom 13. Februar bis 3. März 2008 waren wir unterwegs in Mexiko. Da wir während der Reise ausführlich unser Reiseblog geführt haben, will ich hier nicht alles wiederholen. Wer es in Ruhe nachlesen will, findet es unter www.krukewitt.net oder hier als PDF zum Download:
Reisblog
Auf dieser Seite gibt’s dann noch Ergänzungen und ein paar Fotos. 

unentbehrlich alle Tipps für Yucatan

Zu Beginn unserer Mexikoreise waren wir für 4 Nächte im Casa de la Condesa, einem recht kleinen Hotel im schönen Viertel Roma. Es liegt an einem großem Platz mit riesigem Brunnen und es sind einige Kneipen und Restaurants in unmittelbarer Nähe. Direkt nebenan ist auch eine Eisdiele. Zum Flughafen sind es mit dem Taxi etwa 25 - zum Zocalo läuft man ca. 30 Minuten.

Der Fußmarsch ins Zentrum ist sehenswert, denn man sieht viel mehr von der Stadt als in der Metro.

An jeder Straßenecke stehen fahrbare Tacobuden, die Mexikaner essen immer. Wir hatten das Vergnügen, an Valentinstag dort zu sein. Überall Blumenstände und Luftballonverkäufer.

Straße beim Regierungspalst
Templo Mayor
Kathedrale
Casa de la Condesa
Bellas Artes
Templo Mayor - im Hintrgrund die Kathedrale

Mexico-City hat uns angenehm überrascht. Die Mexikaner haben uns auch erzählt, dass die Luftverschmutzung in den letzten Jahren nachgelassen hat. Beim Nase putzen sieht man aber noch deutliche Zeichen. Mexico-City hat viele grüne Inseln, die zum Verweilen einladen. Der Verkehr ist unglaublich - zur Hightime geht zeitweise wirklich nichts mehr.

Bestes Verkehrsmittel ist der Metrobus, der die Insurgentes auf einer eigenen Spur hoch und runter fährt. Vom Nord- zum Südende ist er etwa 80 Minuten unterwegs und man hat Mühe, an der passenden Haltestelle auszusteigen, weil man wirklich dicht an dicht steht. Als Fußgänger steht man oft hilflos vor 6-spurigen Straßen und weiß nicht, wie man die andere Seite lebend erreichen soll.

Besonders schön ist es auch im Viertel San Angel, wo wir den Markt am Samstag besucht haben. Nur einen Block von der Hauptstraße weg ist es richtig angenehm ruhig und Händler verkaufen Gemälde, Schmuck und anderes Kunsthandwerk.

Am Freitag ging’s nach Teotihuacán. 45 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt. man kann vom Stadtzentrum aus bequem mit dem Metrobus zum nördlichen Busterminal und von dort mit einem Bus weiter fahren.

Bis 650 n. Chr. War das Stadtgebiet das dominierende kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Mesoamerikas und hatte zum Höhepunkt ca. 200.000 Einwohner und nahm eine Fläche von mehr als 20 Quadratkilometern ein. Um 750 wurde die Stadt aus ungeklärten gründen verlassen. Die Azteken verehrten Teotihuacán als den Geburtsort ihrer Götter und verliehen der Stadt ihren heutigen Namen. Die Hauptachse der Stadt bildet die Straße der Toten, am nördlichen Ende davon steht die Mondpyramide. Das Zentrum der Stadt bildet die Sonnenpyramide, die zweitgrößte Pyramide des amerikanischen Kontinents. Die Höhe beträgt 65 Meter und mit gut 225 Meter Seitenlänge ist sie fast so groß wie die Cheops-Pyramide in Ägypten. Wir haben die 248 Stufen in glühender Sonne erklommen.

Anne vor der Sonnenpyramide in Teotihuacán
Piramide del Sol - Teotihuacán
Blick auf die Straße der Toten - Teotihuacán Olli auf der Sonnenpyramide in Teotihuacán

An den Platz vor der Mondpyramide schließt der Quetzalpalpalotl-Palast an. Dort sieht man die Reste von farbenfrohen Wandmalereien und mit Obsidian verzierte Pfeiler. Fliegende Händler bieten einem alle 10 Meter Souvenirs, vorzugsweise aus Obsidian, an.

Die Straße der Toten ist etwa 2 km lang und auf dem riesigen Gelände gibt es kein schattiges Plätzchen. Sonnenschutz und Kopfbedeckung sind also ebenso wichtig wie eine ausreichende Menge an Wasser.

Pfeiler im Quetzalpalpalotl-Palast - Teotihuacán

Am Sonntag sind wir dann von Mexico-City nach Cancun geflogen. 12 Tage Yucatan-Halbinsel standen auf dem Programm.

Natürlich war unser nächster Standort dann nicht Cancun - wir sind ja keine Freunde großer Hotelburgen. Wir haben uns Puerto Morelos ausgesucht, ein kleines Örtchen zwischen Cancun und Playa del Carmen.

Puerto Morelos

Puerto Morelos bietet alles was man so braucht. Vor allem einen wunderschönen weißen Sandstrand.

Wegen der Hurricanes stehen am Strand leider kaum noch Palmen und es gibt kaum Schattenplätze, aber dafür ist das Wasser umso schöner. Bei angenehmen Wassertemperaturen kann man auch Schnorcheltouren zu einem vorgelagertem Riff machen.

Im Ort gibt es etliche Restaurants, die sich auf (vor allem amerikanische) Touristen eingestellt haben. Unser Lieblingsplatz war bei einem Mexikaner, wo man mit den Stühlen im Sand sitzen konnte, mehr Mexikaner als Amis um sich rum hatte und wo es ganz leckeren, frischen Fisch zu essen gab.

Außerdem gab es dort die interessantesten Damentoiletten:

Mexican bar

Im kleinen Fischerdorf Puerto Morelos kann man wunderbar abhängen. Tagsüber im Sand liegen, nachmittags den Handwerkermarkt besuchen und abends irgendwo nett essen gehen oder einen Cocktail trinken.

Oder aber mal (passend zu der Damentoilette) 2 für 1 trinken.

Das sah bei uns dann so aus

Nach drei Tagen am Karibikstrand zog es uns dann weiter zu den alten Mayastätten Yucatans. Angefangen haben wir mit Tulúm.

Tulúm ist ist der touristisch meistbesuchte Ort des ganzen Landes - es liegt eben für Pauschaltouristen auch sehr günstig an der von Cancun nach Süden führenden Straße. Trotz unseres Besuchs am frühen Morgen füllte sich die Anlage recht schnell und vor allem die kleine Badebucht war übervölkert.

Die Bauwerke sind nicht so beeindruckend, aber es liegt als einzige Maya-Stätte direkt am Meer. Tulúm bedeutet auf Mayathan „Mauer“ oder „Festung“. Im 13. und 14. Jahrhundert zählte sie vermutlich zu den größten Städten der Maya und war ein wichtiger Handels-knotenpunkt.

Tulum
Damentoilette
2 x 1
Tulum
Tulum beach
Anne Tulum
Gran Cenote

Nach der Besichtigung von Tulúm - natürlich mit Badepause - entdeckten wir eine neue Leidenschaft: das Baden/Schwimmen/Schnorcheln in Cenotes. Nach Besuch des Gran Cenote suchten wir gezielt nach weiteren Cenotes, weil es nach einem Vormittag an einer Mayastätte nichts Erholsameres/Erfrischenderes gibt.

Der Gran Cenote wird natürlich richtig vermarktet, man kann auch Ausrüstung leihen oder Tauchkurse machen. Aber uns reicht das einfache Rumschnorcheln in Fischschwärmen schon.

Von Tulúm aus sind wir ins Landesinnere gefahren und haben uns als Standort für die nächsten Tage Valladolid ausgesucht. Der Ort ist Verkehrsknotenpunkt auf der Ost-West Strecke Yucatans und die meisten Besucher halten sich nur so lange dort auf, bis der nächste Bus abfährt. Eigentlich schade, denn gerade abends erwacht dieser Ort zum leben. Der Zocalo liegt in einem großem Park und wird von der mächtigen Kathedrale dominiert. An den Straßen um den Platz verkaufen die Einheimischen Handwerkskunst - vor allem Stickereien und Leder. Am Abend finden sich hunderte von Vögeln ein, um auf den Bäumen des Zocalos zu schlafen - ein ohrenbetäubender Lärm. Wenn die Vögel dann alle schlafen, ist der Zocalo ein angenehmes Plätzchen. Verliebte sitzen Händchen haltend auf den Bänken, Einheimische tauschen den neuesten Klatsch aus und auf den Straßen ringsum ist auf einmal die Hölle los. Da Valladolid im Landesinneren liegt, ist es tagsüber unerträglich heiß und man kann sich eigentlich draußen nicht aufhalten. Valladolid hat sogar einen Cenote mitten im Ort.

Cenote Zaci

Der Cenote Zaci hat eher was von einem unterirdischen Schwimmbad und ist mit seinen Gängen und Logen sehr schön angelegt. Auf dem Wasser war aber irgendwie ein komischer Ölfilm, wir sind da lieber nicht rein.

Von Valladolid aus sind wir nach Chichén Itzá gefahren. Wir wollten die Pyramide des Kukulcán auch mal live sehen.

Wir waren wieder früh am Morgen dort und wurden in einem riesigen Besucherzentrum empfangen. Souvenirläden, Toilettenanlagen und Restaurants - um die Zeit war alles noch wie ausgestorben. Auch um die Pyramide waren noch nicht viele Touristen unterwegs.

Kukulcán

Die Tempelstadt mit etwa einem Kilometer Durchmesser war im fünften Jahrhundert vom Volk der Maya um zwei große Cenotes errichtet worden, von denen eine die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte. Bewohnt wurde die Stadt nur von Priestern und Regierungsfunktionären, da sie die Hauptstadt eines Maya-Reiches darstellte. Die Bauern, die in der Umgebung Ackerbau betrieben, wohnten um die Anlage herum in Stroh- und Lehmhütten. Die Maya verließen Chichén Itzá bereits ungefähr 200 Jahre später wieder. Ein erneutes Aufblühen erlebte die Stadt um das Jahr 987, als das Volk der Tolteken unter Führung ihres Herrschers Tula die Anlagen neu besiedelte.

Im Zentrum der Stadt steht die Pyramide des Kukulcán (das Castillo). Die Pyramide ist 30 m hoch, hat eine Grundkantenlänge von 55 m und umfasst 365 Stufen, die sich auf die Anzahl der Tage eines Jahres beziehen. Im Inneren des Gebäudes, das über einen Gang an der Nordseite zu erreichen ist, befindet sich ein überbauter Tempel mit zwei Räumen. Darin findet man die Opferfigur eines Chac Mool sowie einen Jaguarthron. Man kann natürlich nicht rein und seit einiger Zeit auch nicht mehr auf die Pyramide. Ist auch so beeindruckend..

Das „Castillo“ ist der unbestrittene Publikumsmagnet in Chichén Itzá. Es besitzt diesen Rang allerdings nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Bauweise und Größe, sondern auch aus einem weiteren Grund. Zweimal im Jahr, zur Tagundnachtgleiche, versinkt eine Seite der Pyramide fast vollständig im Schatten, dann wird nur noch die Treppe von der Sonne angestrahlt und auf ihr zeichnen sich die Stufen der Pyramide ab. Dieses gezeichnete Band vereint sich schließlich mit einem Schlangenkopf am Fuß der Pyramide und stellt so eine gefiederte Schlange dar. Die Gottheit Kulkulkan, zu deren Ehren die Stufenpyramide erbaut worden war, stellt die Wissenschaftler bis heute noch immer vor Rätsel.

Ein Stück weiter: der Kriegertempel - Templos de los guerreros

Kriegertempel

Der Tempel wird von einer Säulenhalle umgeben, die als „Halle der 1000 Säulen“ bezeichnet wird. Die Säulen im vorderen Bereich sind alle reich verziert und es sind Krieger und Adler dargestellt, die Menschenherzen zerfressen.

Ein weiteres beeindruckendes Bauwerk ist der Caracol - der Schneckenturm.

 Caracol
Tempel der Venus
Tic Tac Toe der Mayas

Der Caracol stellt ein Observatorium dar, in der Bauweise mit einem runden Gebäude mit steinerner Kuppel erinnert es auch an eine europäische Sternwarte. Runde Gebäude sind eigentlich in Mittelamerika selten. Caracol bedeutet „Schneckenturm“, dieser Begriff kommt von der Wendeltreppe im Inneren, die in den obersten Aufbau des Gebäudes führt.

 

Die Sternwarte wurde so ausgerichtet, dass man die Venus, den Sonnenuntergang und den astronomischen Süden sehen konnte.

Haus der Nonnen

Für das Gelände von Chichén Itzá braucht man schon einige Stunden Zeit - und hat doch nicht alles gesehen. Der Venustempel, das Haus der Nonnen, die Kirche, das Dampfbad, den Ballspielplatz - es nimmt gar kein Ende. Und überall entdeckt man noch etwas. Wie zum Beispiel auf dem linken Bild: schon die Mayas spielten Tic Tac Toe.

Als wir am Ende unserer Besichtigungstour wieder am Eingang ankamen mussten wir gegen den Strom schwimmen. Inzwischen kamen die Busse mit den Touristen aus Cancun und Playa del Carmen an - wahre Horden mit Aufklebern (Chichen Tour 96 und so) auf der Brust, dem Reiseführer mit Fähnchen hinterher hetzend. In Zehnerreihen standen sie am Eingang an. Jetzt wussten wir, warum ein so großes Besucherzentrum nötig ist.

Nächste Station für uns war Ek Balam. Und wie es so oft ist: klein aber fein. Ek Balam wurde erst 1997 freigelegt, wird von öffentlichen Verkehrsmittel nicht direkt angefahren und steht für Cancun-Touristen noch nicht auf dem Plan. Am Eingang darf/muss sich jeder Besucher in ein Gästebuch eintragen und dann kann man gemütlich über das Gelände schlendern.

Die Hauptpyramide - Akropolis - mit 30 m Höhe, 160 m Länge, 70 m Breite und seinen sechs Ebenen ist dieses Bauwerk das bedeutendste, das von den Mayas auf Yucatán erbaut wurde.

Sie ist nicht vollständig erhalten, aber in Ihrem  Inneren fanden Archäologen völlig intakte und detailreiche Gipsskulpturen und -friese.

Ek Balam
höllentor
Anne Höllentor

Unter dem frontalen Treppenaufgang wurde 1998 die gut erhaltene Hauptfassade eines Vorgängerbauwerks entdeckt, welches einen gewaltigen Racheneingang zeigt. Das Höllentor. Es wird vermutet, das dieses Höllentor für Gefangene „den letzten Weg“ darstellte und sie durch dieses Höllentor geworfen wurden. Nach einem Fall von 20 Metern fielen sie dann auf dort stehende Spieße. Das komplett erhaltene Höllentor stellt den Schlund eines Monsters da und scharfe Fangzähne umrahmen die Tür.

Ek Balam Akropolis
Ek Balam Akropolis

Am Fuße der Pyramide gab Olli dann das Interview für Radio Xeme, wir haben im Blog ja darüber berichtet.

Ek Balam war richtige Erholung. Die Ausgrabungen dort laufen weiter - es gibt Zwillingspyramiden, die mal wieder beweisen, was für große Astronomen die Mayas waren: Am 21. März leuchtet die Sonne bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang durch zwei gegenüberliegende Spalten dieser Pyramiden.

Wir hatten immer noch nicht genug von alten Steinen und fuhren nach Cobà, zu der wohl ausgedehntesten Maya-Siedlung überhaupt.   Erst ein Bruchteil der auf 70 qkm liegenden Bauwerke sind freigelegt worden, abertausende warten im Dschungel auf Entdeckung. Und für die Erkundung kann man man Eingang Fahrräder mieten.

La Iglesia ist 25 m hoch und in neun angerundeten Etagen gebaut. Der Name kommt daher, dass die Maya dort an einer Stele am Treppenaufgang Opfergaben ablegten.

Heute sammeln sich dort die Touris, denn die Cobá-Gruppe besteht aus zahlreichen Tempeln, Wohnbauten, Stelen und ist außerdem nur 80 m vom Eingang entfernt - also auch ohne Fahrrad (soo viele gibt’s da eben nicht) gut erreichbar.

Wir haben die Cobá-Gruppe erst ganz zum Schluss besichtigt.

Wenn man vom Eingang Richtung Nohoch Mul radelt kommt man einem weiteren Ballspielplatz und der Conjunto Pinturas vorbei.

Auf diesen Super-Rädern (so der Anbieter) erfuhren wir Cobá.

Cobá war bereits um 100 n. Chr. besiedelt und es gab ein weit verzweigtes Straßennetz - eine sacbe führte sogar bis nach Tulúm an die Karibikküste - manchen Wegen sollte man aber lieber nicht folgen, zur Sicherheit sind überall Wegweiser aufgestellt.

Zwei größere und drei kleinere Seen sicherten im 8. Jahrhundert die Wasserversorgung der Bewohner. Zu der Zeit siedelten hier 50.000 Menschen.

Nahe des Eingangs sieht man direkt die erste Gruppe Bauwerke. Hinter einem Ballspielplatz liegt die Grupo Cobá mit einer großen Pyramide: la Iglesia - die Kirche.

La Iglesia - Cobá
Coba-conjunto-pinturas

Die Bauwerke der Conjunto Pinturas rechnet man der letzten Besiedlungsphase Cobás zu. Hier steht eine kleine Pyramide mit einem überdachten Kammertempel. Die Türstürze und Friese sind von innen farbig bemalt, daher auch der name “pinturas”. Man kann weder rein noch rauf, daher haben wir das mit den Farben nicht überprüfen können.

Vor der Pyramide stehen zahlreiche Säulen, die einmal ein Dach trugen. In unmittelbarer Nähe findet man Steinschreine, Stelen und Altäre.

 

Das größte Bauwerk in Cobá ist mit 42 m die Pyramide Nohoch Mul. Ihre Grundfläche beträgt 60 x 60 m und sie ist dermaßen verfallen, dass man sich wundern muss, dass sie noch nicht gesperrt ist. In der Mitte ist ein Seil gespannt, um den Wagemutigen etwas Halt zu bieten. Die Stufen der sechs Etagen sind kaum noch als solche erkennbar. Der Ausblick mag grandios sein, ich habe mich verweigert. Mir hat der Blick von unten gereicht - lebensmüde bin ich nicht.

Cobá war vor allem wegen der Andersartigkeit toll zu besichtigen. Mitten im dichten Dschungel, unterwegs auf klapprigen Fahrrädern. Bei einem Halt am See rechnet man gleich mit Krokodilen, die einem das Frühstück abnehmen. Schön ist auch, dass neben den zahlreichen Stelen Erklärungstafeln stehen, auf denen die Zeichnungen der Stelen ergänzt und auch für Laien sichtbar gemacht werden.

Coba-Stele

So, dann war es soweit: Wir hatten genug von alten Steinen. Zur Abwechslung wollten wir ein verschlafenes Fischerstädtchen im Norden Yucatans besuchen.

Rio Lagartos ist bekannt für seine Flamingo-Populationen zu denen man Bootsausflüge buchen kann. Im Reiseführer stand geschrieben, dass man sich den dafür werbenden “Amigos” nicht entziehen kann - das können wir bestätigen. Mit dem Auto noch nicht ganz in dem Ort drin klopft schon einer ans Fenster und will uns eine Tour anbieten. Abgewimmelt. Die Uferstraße erreicht: der nächste Amigo. Wieder abgewimmelt. Am Ende der Ufrstraße gedreht (der Ort ist nicht so groß): schon wieder! Unterkunft gesucht, ins Zimmer, Klimaanlage an und erstmal aufs Klo: es klopft an der Tür. Die verfolgen einen wirklich. Ok, wen es nach Rio Lagartos verschlägt, der kommt wegen der Flamingos. Und die kann man nur per Boot besuchen.

Wir haben also aufgegeben und haben ein Boot gebucht. Hätten wir ja eh gemacht.

Rio Lagartos Guide

Wie im Urlaub. Man lässt sich gemütlich rumschippern und ab und zu hält der Guide an, zeigt einem verschiedene Vögel und Bäume. Flamingos? Ja wo denn?

Irgendwann ist er näher ans Ufer gefahren und wir sahen das:

Krokodil

Gewaltige Flamingopopulationen? Wir waren gespannt. Nach etlichen Kilometern - während derer ich meinen Sonnenhut festhalten musste - haben wir angelegt und sind zu Fuß weiter gegangen.

Da sahen wir sie dann. Nicht die erwarteten Massen, aber trotzdem schön. Vor allem die Gegend war herrlich.

Rio Lagartos Flamingos

Der Guide hat uns noch eine Menge über Flamingos, deren Farbe, die Gegend und alles Mögliche erzählt. Richtig entspannend.

Und dann legten drei Boote mit Italienern an. Die sprangen dann juchzend ins Wasser, tranken das Wasser mit den Krebstierchen (wollten wohl auch rosa werden) und rieben sich dann mit dem Sand-Salz-Gemisch am Ufer ein. Das gibt einen idealen Sonnenschutz, sieht aber ziemlich scheiße aus:

Sie hatten jedenfalls ihren Spaß.

Für uns ging es dann langsam zurück. Nach er Tour konnten wir “unbelästigt” den Ort erkunden - wir hatten nämlich für die Tour ein Armbändchen des Naturschutzgebiets erhalten. Somit wussten die “Amigos” auch sofort, dass sie uns nicht mehr ansprechen mussten (wir haben es auch an diesem Tag nicht mehr abgelegt).

Rio Lagartos
Rio Lagartos
italienische Horde
Rio Lagartos

Wir gingen an der Promenade entlang und beobachteten die ankommenden Boote. Erst jetzt fiel  uns auf, dass Samstag war. Ganze Großfamilien kehrten am Nachmittag von Bootsausflügen zurück. Baby, Kleinkind, Papa, Mama, Opa, Oma, Uroma... und Leergut. Nachdem der Uroma aus dem wankenden Boot geholfen wurde kam das Leergut zum Vorschein. So ein Tagesausflug macht ja durstig...

Beim Anblick der leeren Bierflaschen bekamen wir auch Durst. Also rein in eine Kneipe (natürlich eine mit weißen Plastikstühlen) und zwei Bier bestellt. Große oder kleine? Kleine, ist ja noch früh am Tag. Ein Grinsen der Bedienung und wir schauten uns um. Auf allen Tischen stapelten sich die Literflaschen und wir ernteten seltsame Blicke. Die Musik war ohrenbetäubend laut, die Anwesenden sangen lauthals mit und wir fühlten uns irgendwie... nüchtern. So verbringen die Leute hier also ihr Wochenende wenn sie mal nicht zum Fischen raus müssen.

Wir freuten uns schon auf einen geselligen Abend. Zum Sonnenuntergang verließen wir erstmal die Lokalität.

Rio Lagartos

Nachdem wir dann im Internetcafé waren, einen Moskitoangriff in der Dämmerung wenig erfolgreich abgewehrt hatten, wollten wir auf Nahrungssuche gehen. Es war wirklich eine Suche. Wir hätten es uns ja denken können. Wer mittags schon trinkt und feiert kann am Abend keine Gäste mehr bewirten. Bis auf die Taco-Bude am Marktplatz war alles entweder zu oder die Wirte zu nichts mehr in der Lage. Aber Tacos sind ja auch ganz lecker.

Zum Frühstück am folgenden Morgen gab es dann auch nichts. Jedenfalls nicht in Rio Lagartos, die mussten ja nach dem anstrengenden Samstag ausschlafen.

Eigentlich wollten wir auf Yucatan noch so viel sehen. Campeche stand noch auf dem Plan. Aber die Aussicht auf viele Stunden im Auto, die schnurgeraden langweiligen Straßen ... Wir mussten uns ja langsam auch auf die Zeit in Acapulco vorbereiten. Also hingen wir lieber noch etwas in Puerto Morelos ab.

Und dann ging’s nach Acapulco.

Acapulco Beach

Acapulco gehört zu den wichtigsten touristischen Küstenorten Mexikos. Nur drei Autostunden von Mexico-City entfernt, gehört es zum guten Ton, ein Appartment in Acapulco sein eigen zu nennen.

Sylvester Stallone

Hatte ich tagsüber unten in der Bucht noch beschlossen, Acapulco ist furchtbar hässlich und stinkt meilenweit nach Fisch - hier oben in der Wohnung fand ich es beeindruckend.

Tosita war an dem Tag völlig im Stress. Nur noch zwei Tage bis zur Hochzeit ihres ältesten Sohnes. Und nebenbei musste sie sich noch um die angereisten Verwandten und Freunde kümmern.

Für den Abend war eine Party im Baby’O, eine der angesagtesten Discos in Acapulco geplant. Klar kommen wir. Was, um 1 Uhr nachts geht’s los? Wir kommen wohl doch nicht.

Haben wir was verpasst? Naja, man kann ja nicht alles haben.

Sogar Sylvester Stallone hat hier ein Haus - was uns der Taxifahrer auch stolz zeigen musste. Die Wasserfallszene in Rambo II wurde in Acapulco gedreht - da hat er wahrscheinlich Gefallen an der Stadt gefunden.

 

Durch Acapulco führt nur eine einzige Straße. Dementsprechend voll ist es zur Hightime. Auf vier Spuren quält sich die Blechlawine an der Küste entlang. Wir hatten mit Tosita telefoniert, die bei einer Freundin (die natürlich ein Appartment in Acapulco ihr eigen nennt) wohnte und uns für den Abend verabredet.

Wir trafen sie dann mit ihren zwei Schwestern auf der Straße - ganz im Sommer-Freizeit-Dress: Schildkappen, Strandkleid und Flip-Flops. Drei kleine süße Mexikanerinnen und keine Kamera griffbereit.

Acapulco night
Clavadistas

Für den nächsten Abend hatten wir uns mit Johann (Tositas Schwager aus der Schweiz),  Francesco (dem Freund der Tochter von Johann und Cha) und Stephan (dem jüngeren Sohn von Tosita) für den Besuch der Klippenspringer verabredet.

Den Clavadistas kann man entweder von einer kleinen Aussichtsplattform zuschauen, oder bei einem Cocktail vom in den Fels gebauten La-Perla-Hotel. Johann setzte etwas Bestechungsgeld ein und wir bekamen noch einen Platz auf der Terrasse des Hotels.

Schon die Aussicht auf die Felsenspringerschlucht ist Angst einflößend: Unten ist sie nur 6,5 Meter breit, und Springen ist nur möglich, wenn eine große Welle gerade genug Meerwasser in die kleine Bucht gespült hat. Pro Show (jeden Abend vier) springen bis zu zehn Clavadistas, die mit Fackeln einmarschieren, von der niedrigen Seite in die Bucht springen und dann auf der anderen Seite den Felsen hochklettern. Manche klettern 15, andere 25 und die besten gar 36 Meter hoch hinauf, um sich dann nacheinander in die Schlucht zu stürzen. Der von ganz oben hat in seinen Sprung sogar noch einen anderthalbfachen Salto eingebaut …

Im Eintritt (das Hotel lässt sich den Platz gut bezahlen) ist ein Getränk eingeschlossen. Ein Tequila Sunrise im Pappbecher - echt super.

Nach der Show sind wir zurück in die Stadt gefahren, haben einige Verwandte der Familie aufgesammelt und waren gemeinsam gemütlich essen. Und hier erlebten wir dann das zweite Highlight des Abends: ein ERDBEbeN. Nur ein ganz kleines, aber schon komisch. Die Mexikaner haben nicht mal mit kauen aufgehört, für die ist das normal.

Dann verabschiedeten wir uns, wir sollten uns ja am nächsten Tag bei der Hochzeit wiedersehen. “Seid nur pünktlich, die Zeremonie geht um 18 Uhr los.” Klar, wir sind immer pünktlich.

Fairmont Acapulco Princess
diamante beach

Die Hochzeit findet beim Acapulco Princess am Diamante Beach statt. Beim? Ja, ja. Daneben.

Am nächsten Vormittag wollten wir die Lage mal checken.

Unser Hotel lag 10 Minuten Fußweg vom Princess entfernt. Kann man das abends in Abendgarderobe laufen? Mal gucken, was die da so aufbauen. Wir also Badesachen eingepackt und zum Hotel. Rechts rum, links rum, mittendurch. Nix sah nach Hochzeitsvorbereitungen aus. Keiner wusste was. Nebenan ein ATP-Turnier. An dem Eingang fragten wir dann mal nach, wo hier üblicherweise die Hochzeiten stattfinden. Hochzeiten? Da war doch was. Klar im Casa del Mar, das ist 20 Taximinuten hier an der Küste lang.

Soviel zum mexikanischen Verständnis des Worte “beim”.

diamante beach

Wir wanderten etliche Kilometer an der Küste entlang, hegten die Hoffnung, dass 20 Taximinuten nicht 20 Taximinuten heißt, nahmen uns dann aber irgendwann ein Taxi und fuhren ins Hotel zurück. Wir wollten ja abends fit sein.

Wer unser Reiseblog verfolgt hat, hat die Story um Ollis Schuhe sicher verfolgt. Etwas blauäugig war er davon ausgegangen, sich in Mexiko neue - zum Anzug passende - Schuhe kaufen zu können. Der durchschnittliche Mexikaner trägt Schuhgröße 40-41, Olli Größe 45. Das schwierige Unternehmen fand dann doch noch ein glückliches Ende und er musste nicht in Turnschuhen gehen.

Nach der Wanderung am Morgen nahmen wir dann gegen 17 Uhr ein Taxi in Richtung Casa del Mar. Und waren die ersten Gäste. Typisch deutsch?!

Wir hatten zumindest den Vorteil, dass wir die Hochzeitsdeko im Hellen fotografieren konnten.  

Casa del Mar, Acapulco
Anne und Oliver vor der Hochzeit
Casa del Mar, Acapulco
Pool, Casa del Mar, Acapulco

Nach und nach tauchten die Gäste und Beteiligten dann auf. Jeder wurde von einem Zeitungsfotograf auf Bild gebannt und namentlich erfasst. Mindestens fünf weitere Fotografen und ein Kamerateam hielten alles fest.

Die Braut Mariana mit Brautjungfern

Die Braut Mariana mit Brautjungfern

Pünktlich um 18 Uhr ging’s dann los.

Jonathan

Tosita mit Sohn Jonathan (der Bräutigam), dahinter Stephan (Tositas jüngerer Sohn) mit der Brautmutter

Die Trauungszeremonie fand direkt am Strand statt.

Etwas störend empfanden wir das Filmteam, das natürlich alles festhalten musste.

Wie in einem Kitschfilm ritten irgendwann zwei Reiter am Strand entlang und pünktlich zum Segen ging die Sonne unter. Eine perfekte Inszenierung.

 

 

Die Deko kam dann im Dunkeln erst richtig zur Geltung.

Alle Tische waren von unten blau beleuchtet, blaue Tücher flatterten an den Palmen...

Casa del Mar - Acapulco
drei Schwesten

Tosita (links) mit Schwestern und Nichten

Mariana

Mariana mit Vater

Boda am Strand
unser Tisch

Zum Essen - einem hervorragenden 4-Gänge Menü - wurden live Opernarien vorgetragen. Jeder der 40 Tische hatte seinen persönlichen Kellner, der einem schneller nachschenkte, als man trinken kann.

 

Und danach begann die Party. Eine zehnköpfige Band spielte ununterbrochen bis in die frühen Morgenstunden. Und die Mexikaner sind ein Party-Volk. Jeder kann tanzen und jeder kann singen.

deko Casa del Mar
der Tanz ist eröffnet
Party im Casa del Mar auch der Bräutigam singt

Diese Hochzeit war ein einzigartiges Erlebnis und nicht nur der Grund für, sondern auch der Höhepunkt unserer Mexikoreise

Jonathan und Mariana: Vielen Dank für die Einladung.

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